Pippi in Takatukaland

Seit Tagen schifft es. Uns treffen die Ausläufer des Zyklons Pam, der gerade 7000 km von hier Vanuatu verwüstet hat. Zum Glück ist der Pazifik ja groß, so dass wir hier nur etwas Wetter zu spüren kriegen. „Fast wie am Sorpesee“, sagt Andreas. Der Dachdecker und seine Frau Conny kommen aus Balve im Sauerland und haben 40 Stunden Anreise auf sich genommen, um nun seit 72 Stunden den Dauerregen im Paradies zu genießen. Der ist aber erstens deutlich wärmer als Zuhause. Und zweitens hat er erst angefangen, als diese Sauerländer hier aufgekreuzt sind, so dass die Schuldfrage schnell geklärt ist. „In der Sorpe gibt es aber weniger Haie“, gibt Micha zu bedenken. „Weiß man nicht“, kommt prompt die Antwort zurück. „Die Sicht ist da so Scheiße, da kann ja alles Mögliche drin sein!“. Na, so gesehen…

Fest steht – bei dem Sauwetter wagt sich kein Einsiedlerkrebs vor die Tür seines Schneckenhauses. Und auch uns fällt es schwer, die Motivation aufzubringen, die zwanzig Meter durch den Palmenhain zum Haupthaus zu laufen. Trotz Regenponchos von der Rezeption und unserer süßen Kellnerin Melody, die heute zu dem üblichen Lächeln einen Blumenkranz im Haar trägt. Als ich ihr erzähle, wie hübsch ich das finde, winkt sie mich heran, und wir gehen zusammen zum Kühlschrank. Hier, zwischen Butterpäckchen und Orangensaft, liegt ein weiterer Blumenkranz aus weißen Bougainvillen und würzig riechenden Blättern. Den setzt sie mir auf, damit ich von uns beiden ein Selfie machen kann. Anschließend besteht sie darauf, dass ich ihn behalte. Ich bin Südseeprinzessin für einen Tag!

Und wieder fällt es uns so schwer, abzureisen. Neben unseren Tauchsachen packen wir viele schöne Erinnerungen ein, und machen uns per Flieger auf den Weg zu dem nur zwanzig Kilometer entfernten Atoll Tikehau, hoffentlich besserem Wetter und weiteren Abenteuern. Melody und ihre Kollegin drücken uns zum Abschied Küsschen auf die Wangen, was sie ‚Nana‘ nennen. Und Alexy legt uns unsere Muschelkette um den Hals, und wünscht uns weiterhin einen tollen Urlaub und viele aufregende Tauchgänge. „Vielleicht“, so sage ich, „sehen wir uns ja mal wieder. Über oder unter Wasser.“ Und wir versprechen, nachbihm Ausschau zu halten, denn wie wir wissen, ist die Taucherwelt zwar rund und die Ozeane bergen ja wie der Weltraum unendliche Weiten, aber irgendwie kennt dann ja doch wieder jeder jeden, und es wäre nicht der erste, den wir plötzlich zufällig irgendwo treffen.

© 2013 Vera Wittenberg

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