Tauchen nach COVID19-Erkrankung

Es gibt inzwischen eine Stellungnahme vom 21.04.2020 zu dem Wetnotes Artikel „Tauchen nach Covid19 Erkrankung“ von Leitung Medizin des DLRG.

Tauchen nach COVID19-Erkrankung

Stellungnahme der Leitung Medizin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) e.V. zum „Tauchen nach COVID19-Erkrankung“

Diese Stellungnahme basiert auf dem Wissensstand vom 19.04.2020. Es können sich naturgemäß bei einer solchen dynamischen Situation, mit noch bestehenden Wissenslücken, Änderungen der Bewertung ergeben. Eine zukünftige Bewertung/Stellungnahme der Gesellschaft für Tauch-und Überdruckmedizin (GTÜM), als medizinisch-wissenschaftlicher Fachgesellschaft, würde die entsprechenden Abschnitte dieser Stellungnahme ersetzen.

Präambel

In den letzten Tagen hat ein Artikeli des tauchmedizinisch und intensivmedizinisch sehr erfahrenen Kollegen Dr. Frank Hartig (Oberarzt der Gemeinsamen Einrichtung für Internistische Notfall-und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck) insbesondere in den sozialen Medien für große Aufmerksamkeit gesorgt. Auch Einsatztaucher der DLRG haben sich verunsichert an uns gewendet, weswegen wir an dieser Stelle den gegenwärtigen Wissenstand einordnen möchten.

Der Artikel selbst stellt eine Beobachtung des Autors aus seiner beruflichen Tätigkeit dar, es handelt sich um keine wissenschaftliche Studie. Aufgrund der Tätigkeit in einem Universitätsklinikum darf die Frage aufgeworfen werden, ob die gesehenen Patienten wirklich repräsentativ sind oder nicht überwiegend schwere / komplizierte Fälle gesehen werden.

Sauerstoffgabe bei COVID19-Erkrankung

Bis heute ist kein ursächlicher (kausaler) Zusammenhang zwischen der Gabe von Sauerstoff und einer erhöhten Schwere einer COVID19-Erkrankung bzw. Intubationspflichtigkeit bekannt. Die Gabe von Sauerstoff sollte daher weiterhin nach notfall-und intensivmedizinischen Standards erfolgen. Das aktuelle Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)ii empfiehlt ausdrücklich im Zusammenhang mit COVID19 eine Sauerstofftherapie als Eskalationsstufe solange keine Indikation zur endotrachealen Intubation vorliegt.

Aufgrund des Risikos einer Aerosolbildung ist auf ausreichende persönliche Schutzausrüstung (Augenschutz, FFP2-bzw. FFP-3 Maske, Kittel) zu achten, wenn Sauerstoff appliziert wird.

COVID19-Erkankung und nachfolgende Tauchtauglichkeit

COVID19 ist eine Erkrankung mit einer sehr großen Bandbreite der Erkrankungsschwere, es sind asymptomatische Verläufe genauso bekannt wie schwerste respiratorische Insuffizienz mit nachfolgendem Versterben der Patienten. Die ganz überwiegende Mehrheit der Patienten weist milde Verläufe auf. Vor diesem Hintergrund ist eine differenzierte Beurteilung der Frage einer Tauchtauglichkeit notwendig.

Aus der SARS-Epidemie 2002 (SARS-CoV) ist bekannt, dass nach einer Virus-Pneumonie pulmonale Veränderungen (meist postinfektiöse Infiltrate in der Bildgebung oder ähnliches) lange anhalten, aber in der Nachbeobachtung über zwei bis drei Jahre konstant zurückgingen und in den meisten Fällen ganz verschwanden. Wesentliche Funktionseinschränkungen waren nur selten damit vergesellschaftet. Die noch am häufigsten vorliegende Einschränkung der CO-Diffusionskapazität normalisierte sich in den meisten Fällen ebenfalls im Verlauf.

Es wird daher, zum gegenwärtigen Zeitpunkt, bezüglich der Fragestellung einer Tauchtauglichkeit folgendes Vorgehen empfohlen:

  1. Bei Nachweis von SARS-CoV2 bzw. Diagnose COVID19 erlischt eine vorhandene Tauchtauglichkeit. Die (Wieder)Erteilung der Tauchtauglichkeit sollte ausschließlich durch einen tauchmedizinisch qualifizierten Arzt erfolgen. Das reine Abklingen der Symptome, wie bei einem grippalen Infekt, ist nicht ausreichend.
  1. Bei milder Erkrankung (ambulante Behandlung oder stationäre ohne Sauerstoffpflichtigkeit / ohne Zeichen der respiratorischen Insuffizienz) kann die Tauchtauglichkeit nach einem Monat Symptomfreiheit beurteilt werden. Sofern keine anderweitigen Kontraindikationen, aus Betroffenheit von Organsystemen oder Funktionen (z.B. kardiale und thromboembolische Komplikationen) vorliegen, kann die Tauchtauglichkeit bei unauffälliger Lungenfunktion (Spirometrie) erteilt werden. Bei einer Wiedererteilung der Tauchtauglichkeit sollte der Ausgangsbefund der Spirometrie bei der initialen Tauchtauglichkeitsuntersuchung zum Vergleich herangezogen werden.

[Persönliche Beobachtung in der pneumologischen Praxis von Robin Engert: Patienten nach durchgemachter Infektion mit SARS-CoV-2, die beschwerdefrei sind, weisen praktisch nie Auffälligkeiten in der Bodyplethysmographie/Lungenfunktionsuntersuchung, Blutgasanalyse oder der CO-Diffusionskapazität auf]

  1. Bei schwerer Erkrankung mit respiratorischer Insuffizienz (Beatmung, COVID19-Pneumonie, deutliche Veränderungen in der thorakalen Bildgebung) sollte zunächst eine ggf. im stationären Entlassbericht empfohlene Kontrolldiagnostik abgeschlossen sein. Nach schweren Verläufen sollte mindestens ein dreimonatig, aufgrund der noch nicht vollständig bekannten Pathophysiologie eher sechsmonatig, beschwerdefreies Intervall bestehen, bevor die Tauchtauglichkeit überprüft wird.

Hinsichtlich der Tauchtauglichkeit ist ein besonderes Augenmerk auf postinfektiöse Narben, insbesondere pleurale Adhäsionen, pulmonale Kavitäten nach Gewebsdestruktion und/oder fibrotische Veränderungen zu legen. Bei Hinweisen auf diese Veränderungen, z.B. Vorbefunde der stationären Behandlung, ist die ergänzende Durchführung einer HR-CT der Lunge zur weiteren Beurteilung erforderlich.

Ansonsten kann die Tauchtauglichkeit, nach Ausschluss anderer Kontraindikationen, aus Betroffenheit von Organsystemen oder Funktionen (z.B. kardiale und thromboembolische Komplikationen), bei einem Normalbefund der Lungenfunktion (Spirometrie) erteilt werden.

Bei einer Wiedererteilung der Tauchtauglichkeit sollte der Ausgangsbefund der Spirometrie bei der initialen Tauchtauglichkeitsuntersuchung zum Vergleich herangezogen werden.

Bestehen mehr als drei Monate nach der Entlassung noch Beschwerden, ist unabhängig von der Frage der Tauchtauglichkeit eine weitere medizinische Abklärung (Pneumologie, Kardiologie, etc.) indiziert.

COVID19-Erkankung und hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)

Bezüglich einer möglichen Therapieindikation zur hyperbaren Sauerstofftherapie sind Studien angemeldet. Aussagekräftige und belastungsfähige Ergebnisse liegen derzeit nicht vor.

Autoren für die Leitung Medizin (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Robin Engert (Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Arzt für Tauchtauglichkeitsuntersuchungen GTÜM)
  • Professor Dr. Björn Jüttner (Facharzt für Anästhesiologie/Intensivmedizin, Tauch-und Hyperbarmedizin GTÜM)
  • Professor Dr. Kay Tetzlaff (Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Tauch-und Hyperbarmedizin GTÜM)
  • Karsten Theiß (Facharzt für Kinder-und Jugendmedizin, Taucherarzt GTÜM)

 

i           https://www.wetnotes.eu/tauchen-nach-covid-19-erkrankung/

ii          https://pneumologie.de/aktuelles-service/covid-19/?L=0

 

Diving after COVID19 disease

There is now a statement dated April 21, 2020 on the Wetnotes article „Diving after Covid19 disease“ by Head of Medicine of the DLRG.

Diving after COVID19 disease

Statement by the Head of Medicine of the German Life Saving Association (DLRG) e.V. on „Diving after COVID19 disease“

This statement is based on the knowledge available on April 19, 2020. In such a dynamic situation, with existing gaps in knowledge, changes in the assessment can naturally occur. A future assessment / statement by the Society for Diving and Hyperbaric Medicine (GTÜM), as a medical and scientific society, would replace the corresponding sections of this statement.

preamble

In the last few days, an article by colleague Dr. Frank Hartig (senior physician at the Joint Institution for Internal Emergency and Intensive Care Medicine at the Medical University of Innsbruck) has attracted a lot of attention, especially on social media. Mission divers from the DLRG have also turned to us, unsure, which is why we would like to classify the current state of knowledge at this point.

The article itself represents an observation of the author from his professional activity, it is not a scientific study. Due to the work in a university clinic, the question may be raised as to whether the patients seen are really representative or whether predominantly severe / complicated cases are seen.

Oxygen administration in COVID19 disease

To date, no causal (causal) connection between the administration of oxygen and an increased severity of a COVID19 disease or obligation to intubate is known. Oxygen should therefore continue to be administered according to emergency and intensive medical standards. The current position paper of the German Society for Pneumology and Respiratory Medicine e.V. (DGP) ii expressly recommends an oxygen therapy as an escalation level in connection with COVID19 as long as there is no indication for endotracheal intubation.

Due to the risk of aerosol formation, adequate personal protective equipment (eye protection, N95, FFP2 or FFP-3 mask, gown) must be ensured when oxygen is applied.

COVID19 disease and subsequent suitability for diving

COVID19 is a disease with a very wide range of disease severity, asymptomatic courses are known as well as severe respiratory insufficiency with subsequent patient death. The vast majority of patients have mild courses. Against this background, a differentiated assessment of the question of fitness for diving is necessary.

From the SARS epidemic 2002 (SARS-CoV) it is known that after viral pneumonia, pulmonary changes (mostly post-infectious infiltrates in imaging or the like) last for a long time, but decreased continuously in the follow-up over two to three years and in most cases completely disappeared. Significant functional restrictions were rarely associated with it. The most common limitation of CO diffusion capacity also normalized in most cases.

Therefore, at the present time, the following procedure is recommended regarding the question of fitness for diving:

  1. With the detection of SARS-CoV2 or diagnosis COVID19, an existing suitability for diving expires. The (re) issue of fitness for diving should only be carried out by a physician qualified in diving medicine. The mere resolution of the symptoms, as with a flu infection, is not sufficient.
  1. In the case of mild illness (outpatient treatment or inpatient treatment without oxygen requirement / without signs of respiratory insufficiency), the suitability for diving can be assessed after one month without symptoms. Unless there are any other contraindications, due to the impact on organ systems or functions (e.g. cardiac and thromboembolic complications), diving suitability can be given in the case of normal lung function (spirometry). If the suitability for diving was re-issued, the initial findings of the spirometry should be used for the comparison during the initial suitability test.

[Personal observation in Robin Engert’s pneumological practice: Patients who have undergone SARS-CoV-2 infection and are symptom-free practically never show any abnormalities in body plethysmography / lung function examination, blood gas analysis or CO diffusion capacity]

  1. In the case of a serious illness with respiratory insufficiency (ventilation, COVID19 pneumonia, significant changes in thoracic imaging), a check diagnosis recommended in the inpatient discharge report should be completed first. After severe courses, there should be a symptom-free interval of at least three months, or rather six months due to the not yet fully known pathophysiology, before the fitness for diving is checked.

With regard to suitability for diving, special attention should be paid to post-infectious scars, in particular pleural adhesions, pulmonary cavities after tissue destruction and / or fibrotic changes. If there are indications of these changes, e.g. Previous findings of inpatient treatment, the additional implementation of an HR-CT of the lungs is required for further assessment.

Otherwise, the suitability for diving, after excluding other contraindications, if organ systems or functions are affected (e.g. cardiac and thromboembolic complications), if the pulmonary function is normal (spirometry).

If the suitability for diving was re-issued, the initial findings of the spirometry should be used for the comparison during the initial suitability test.

If there are still complaints more than three months after discharge, a further medical examination (pneumology, cardiology, etc.) is indicated regardless of the question of fitness for diving.

COVID19 disease and hyperbaric oxygen therapy (HBO)

Studies have been registered regarding a possible therapeutic indication for hyperbaric oxygen therapy. There are currently no meaningful and reliable results.

Authors for the management of medicine (in alphabetical order):

  • Robin Engert (specialist for internal medicine and pneumology, doctor for diving fitness examinations GTÜM)
  • Professor Dr. Björn Jüttner (specialist for anesthesiology / intensive care medicine, diving and hyperbaric medicine GTÜM)
  • Professor Dr. Kay Tetzlaff (specialist in internal medicine and pneumology, diving and hyperbaric medicine GTÜM)
  • Karsten Theiß (specialist for pediatric and adolescent medicine, diving doctor GTÜM)

 

i https://www.wetnotes.eu/tauchen-nach-covid-19-erkrankung/

ii https://pneumologie.de/aktuelles-service/covid-19/?L=0

Decompression Controversies

DECOMPRESSION CONTROVERSIES:
Recent research suggests that ZHL-C + GF 40/70 might be a safer decompression model than the VPM-B.

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